Freiheit – große, kleine oder keine?

Aus Anlass des 70. Geburtstags von Kästners Band "Die kleine Freiheit" geht Das Erich Kästner Haus für Literatur im Rahmen der Themenreihe "Freiheit – große, kleine oder keine?" aktuellen Diskursen des viel verwendeten Begriffs "Freiheit" nach. In verschiedenen Konstellationen behandeln Autor:innen und Wissenschaftler:innen Fragen nach Selbstbefreiung von gesellschaftlichen Normen und Stigmata, der Einhegung digitaler und ökonomischer Prozesse, Schutz vor staatlicher Repression sowie Kunst bzw. als Ort der Freiheit.

Mi. 01.06. 2022
7 € / 5 €

Als schreibende Reporterin war die Erzählerin auf allen Kontinenten der Erde unterwegs. In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg. Nun verabschiedet sie sich von einer Welt, die einmal die eigene war.

Aus dem Radio erfährt die Erzählerin vom gewaltsamen Tod des berühmten britischen Kriegsfotografen Tim H. in Libyen. Nicht lange zuvor war sie mit ihm als schreibende Reporterin unterwegs im Bürgerkriegsland Liberia. Anlass für sie, von ihm zu erzählen, von seinem Leben und von seinem Sterben, aber auch von ihren eigenen Erfahrungen in allen möglichen Winkeln der Erde, in Afghanistan und im Dschungel von Papua-Neuguinea, im Inneren der Mongolei und im Kaukasus, von den Höhen des Himalaya und der Reise nach Liberia.

In ihre Erzählung fließen die Bilder und Beschreibungen der Welt, die die internationalen Berichterstatter den Medienhäusern in Hamburg und in Manhattan liefern – diejenigen, die unsere globale Gegenwart deuten. Ihre Berichterstattung in Bildern und Texten unterliegt ästhetischen und ökonomischen Zwängen, die vom Zustand der Welt und der Krise der westlichen Zivilisation künden.

Gabriele Riedle hat selbst über 20 Jahre Erfahrung als Reporterin. "In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg." ist jedoch originäre Prosa, eine kunstvolle Literatur, die zu ihrer eigenen Stimme kommt, weit weg vom Reportage-Realismus, voller eindrucksvoller Bilder. Das Nachdenken ihrer Ich-Erzählerin und ihr persönlichstes Erleben kombiniert sie in einem mäandernden Bewusstseinsstrom in weit ausschwingenden musikalischen Sätzen. (Die andere Bibliothek)

Mi. 08.06. 2022
Uticha Marmon – "Das stumme Haus"

Lesung in der Reihe "Freiheit – große, kleine oder keine?"

Foto: Gabi Waldmann

VERLEGT IN DEN HERBST!

Im “Kaninchenbau”, wie das Haus, in dem die Zwillinge Nikosch und Nini wohnen, genannt wird, ist immer was los. Man kümmert sich umeinander, die Kinder wachsen gemeinsam, man kennt sich.
Aber dann ist von einem Tag auf den anderen alles anders, niemand darf raus, keine Schule, keine Freunde. Das ist nicht nur langweilig, das ist auch anstrengend. Schnell werden die Kinderzimmer viel zu eng, die schulfreie Zeit stressig. Und was soll man denn die ganze Zeit machen? Nikosch sieht wie seine Schwester aus dem Fenster, und da fällt ihm alles Mögliche auf. Zum Beispiel, dass sich in dem nagelneuen, superschicken Haus gegenüber etwas tut. Nachts blinkt dort immer wieder eine Taschenlampe. Bald erkennen Nikosch und Nini: Das ist ein Morsecode. SOS! Da ist jemand in Gefahr!

Die große Einsamkeit und eine Taschenlampe als Rettung in der Not. Ein spannender Krimi und eine Geschichte über Zusammenhalt, Freundschaft und die Wichtigkeit des Hinsehens.

(S. Fischer Verlag)

Kinder- und Jugendbuch

Di. 28.06. 2022
7 € / 5 €
Reto Hänny – "Sturz"

Lesung und Gespräch in der Themenreihe:

"Freiheit – große, kleine oder keine?"

Gewinner des Schweizer Grand Prix Literatur 2022 für sein Gesamtwerk

Foto: Ayse Yavas

19:00

Aus der Höhe des Bündner Bergdorfs kommt der Protagonist in die Stadt im Tal, wo eine fremde Sprache gesprochen wird und Sitten herrschen, denen er hilflos begegnet. Es beginnt für ihn eine Zeit des Leidens. Als er endlich auf die Füße kommt, gelingen ihm berauschende Entdeckungen im Reich der Literatur und der Musik. Eines Tages, viele Jahre später, im Gepäck das Material für ein Filmprojekt, findet er sich im Flughafen der Großstadt ein, um über die Alpen zu fliegen, in den Süden, ins Offene, in die Wärme – oder ist es Flucht? Viel Zeit vergeht an jenem Tag, bis die Kontrollen durchlaufen sind und das Flugzeug zum Einsteigen bereitsteht.
Sturz ist ein musikalisch angelegtes und erfinderisch instrumentiertes, vielteiliges Epos mit einer Fülle unterschiedlicher Stoffe, in vielerlei Rhythmen, Tempi und Tonarten: Kindheit und Jugend eines Alpenbewohners in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie noch niemand sie zum Fliegen gebracht hat.

Reto Hänny, geboren 1947 in Tschappina, einem kleinen Bergdorf in Graubünden. Nach ausgedehnten Reisen und verschiedenen Tätigkeiten u.a. als Ziegenhirte, Schullehrer und Bühnenarbeiter am Theater in Chur, debütierte er 1979 mit "Ruch. Ein Bericht" und erregte mit "Zürich, Anfang September", einem Bericht über die Zürcher Jugendunruhen 1980, erstmals großes Aufsehen. Neben seiner intensiven Auseinandersetzung mit Neuer Musik und Bildender Kunst entsteht ein überschaubares, aber umso dichteres literarisches Werk. Hänny, der zahlreiche literarische Auszeichnungen erhielt, u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis und zuletzt den Zolliker Kunstpreis, lebt als freier Schriftsteller in Zollikon/Zürich und Graubünden. Im Februar 2022 wurde Reto Hänny mit dem Schweizer Grand Prix Literatur für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

Moderation: Uwe Hübner

Mi. 18.05. 2022
7 € / 5 €
Julia von Lucadou – "Tick Tack"

Lesung und Gespräch in der Themenreihe:

"Freiheit – große, kleine oder keine?"

Foto: Guido Schiefer

19:00

Bevor sie sich auf die U-Bahngleise legt, kündigt Mette, 15, in TikTok-Videos ihr Vorhaben an. Niemand reagiert – gerettet wird sie trotzdem. Der Selbstmordversuch verwirrt ihr privilegiertes Umfeld: Bislang hat sie professionell die Leistung des hochbegabten Kindes abgeliefert – Mettes Strategie, um unter dem Radar einer Welt zu bleiben, deren Verlogenheit sie frustriert. Dann lernt sie Jo kennen, zehn Jahre älter, brillant und voller Wut, ein Verbündeter. Als Anti-Influencer hat er sich ein Following aufgebaut und rekrutiert Mette für den Kampf gegen den Mainstream. Ein Spiel beginnt, dessen Regeln sie nicht durchschaut. Mit gleißender Klarheit und schneidendem Witz zeigt Julia von Lucadou einen Ausschnitt unserer Gegenwart, in der die digitale und reale Wirklichkeit sich komplett durchdringen. (Hanser Berlin)

Julia von Lucadou ist studierte Filmwissenschaftlerin und wurde 1982 in Heidelberg geboren. Ihr Debut „Die Hochhausspringerin“ wurde mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. „Tick Tack“ ist ihr zweiter Roman, der im März 2022 erschienen ist.

Moderation: Florian Ernst

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