Freiheit – große, kleine oder keine?

Aus Anlass des 70. Geburtstags von Kästners Band "Die kleine Freiheit" geht Das Erich Kästner Haus für Literatur im Rahmen der Themenreihe "Freiheit – große, kleine oder keine?" aktuellen Diskursen des viel verwendeten Begriffs "Freiheit" nach. In verschiedenen Konstellationen behandeln Autor:innen und Wissenschaftler:innen Fragen nach Selbstbefreiung von gesellschaftlichen Normen und Stigmata, der Einhegung digitaler und ökonomischer Prozesse, Schutz vor staatlicher Repression sowie Kunst bzw. als Ort der Freiheit.

Mo. 12.12. 2022
Jörg Bernardy – "Der kleine Alltagsstoiker"

Reihe: "Freiheit – große, kleine oder keine?"

Foto: Max Baier

19:00

„Glücklich ist also ein Leben in Übereinstimmung mit der eigenen Natur“, schreibt der römische Stoiker und Schriftsteller Seneca im 1. Jahrhundert n. Chr. Was aber heißt das genau, ein Leben entsprechend unserer Natur? Die Stoiker haben sich vor zweitausend Jahren mit Fragen dieser Art auf grundlegende Weise beschäftigt. Ähnlich wie damals wandelt sich auch heute unsere Welt rasend schnell. Viele Menschen fragen sich: Wie soll das denn gehen – ein "gutes" Leben? In 10 praktischen Lebensregeln zusammengefasst, vermittelt "Der kleine Alltagsstoiker" unterhaltsam und verständlich die zentralen Werte dieser wirkmächtigen Philosophie. Diese werden ganz konkret auf typische, aktuelle Alltagsbeschwerlichkeiten angewendet: So lernen Sie, deren tiefere Ursachen zu erkennen und erhalten viele konkrete Impulse und Übungen, um sie zu überwinden.

(G|U Verlag)

Gefördert durch:

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Das Bundesprogramm "Neustart"
Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien
Die Landeshauptstadt Dresden

Mo. 12.12. 2022
Jörg Bernardy – "Ich glaube, es hackt!"

Reihe "Freiheit – große, kleine oder keine?"

Workshop mit Schüler:innen

Foto: Max Baier

Darf man über Hitler lachen? Darf man lügen, um jemanden zu schützen? Wieso braucht unsere Gesellschaft Tabubrüche? Kurze Texte bieten grundlegende Informationen, die komplexe gesellschaftliche und politische Zusammenhänge mit starkem Alltagsbezug und Beispielen aus Politik, Geschichte, Medien aufbereiten. Sie beschäftigen sich mit Lügen, Provozieren, Satire, Manipulieren und dem Überschreiten von Grenzen. Zusätzlich fordern Gedankenspiele und Dilemmata dazu heraus, Position zu beziehen und sich zu engagieren.

(Beltz & Gelberg)

Gefördert durch:

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Das Bundesprogramm "Neustart"
Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien
Die Landeshauptstadt Dresden

Do. 08.12. 2022
7 € / 5 €
Marlene Streeruwitz – "So ist die Welt geworden" & "Handbuch gegen den Krieg"

Lesung und Gespräch in der Reihe "Freiheit – große, kleine oder keine?"

Foto: bahoe books

 

19:00

Die Autorin Marlene Streeruwitz ist bekannt dafür, dass sie sich innerhalb und abseits ihrer literarischen Werke in gesellschaftlichen und politischen Fragen zu Wort meldet. Mit ihren beiden neusten Veröffentlichungen “So ist die Welt geworden” und “Handbuch gegen den Krieg” beschreibt und kommentiert sie zwei hochaktuelle Ereignisse – die Corona-Pandemie und den Krieg. Sie wechselt dabei zwischen Analyse und Selbstbeobachtung. Während in “So ist die Welt geworden” Protagonistin Betty Andover als Alter Ego der Autorin die verschiedenen Stadien emotionaler und psychischer Krisen einer Welt im Stillstand durchlebt, zeigt das “Handbuch gegen den Krieg” auf literarische Weise wie Krieg das Gegenteil von Leben und des Demokratischen ist, welche Schritte zum Frieden notwendig wären.

Moderation: Karin Großmann

Gefördert durch:

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Das Bundesprogramm "Neustart"
Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien
Die Landeshauptstadt Dresden

Mi. 14.12. 2022
7 € / 5 €
Philipp Staab – "Anpassung" und "Digitaler Kapitalismus"

Lesung und Gespräch in der Reihe "Freiheit – große, kleine oder keine?"

Foto: Felix Noak

 

19:00

In seinem erst kürzlich erschienenen Text „Anpassung“ beschreibt Staab einen grundlegenden Wandel in der Welterfahrung des Individuums. Der Fortschrittsglaube der Moderne weicht einer zunehmenden Krisenerfahrung, die den vorherrschenden Optimismus in Frage stellt. Gesellschaft und Individuum sehen sich weniger als Gestalter:innen der Welt als vielmehr dem Abwenden einer Krise gegenüber gestellt. Selbsterhaltung wird wichtiger als Selbstentfaltung.

Mit seinem Text “Der digitale Kapitalismus” versucht Staab ebenjenem Begriff mehr Kontur und Trennschärfe zu verleihen, indem er ihn aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Er zeigt, wie digitale Überwachungs- und Bewertungspraktiken in immer mehr Bereiche der Wirtschaft vordringen und dabei die soziale Ungleichheit verschärfen.

Moderation: Willi Hetze

Gefördert durch:

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Das Bundesprogramm "Neustart"
Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien
Die Landeshauptstadt Dresden

Mi. 09.11. 2022
7 € / 5 €
Durs Grünbein – "Äquidistanz"

Lesung und Gespräch in der Reihe: "Freiheit - große, kleine oder keine?"

Wir bitten um Voranmeldung.

Foto: Tineke de Lange / Suhrkamp

19:00

Der in Dresden geborene Lyriker Durs Grünbein stellt im Erich Kästner Haus seinen neuen Gedichtband "Äquidistanz" vor.

Durch Geschichte und Gegenwart verfolgt Durs Grünbein in diesem neuen, seinem zwölften Gedichtband seinen Kurs des Poetisch-historischen Gedichts. Als Spurensicherung, Ortsbestimmung versteht der Dichter seine Streifzüge durch Zeiten und Räume, in denen er nicht nur Deutschland, sondern auch dem Gegenpol vieler Deutscher, Italien, und in beiden Ländern sich selbst begegnet. Immer, hier wie dort, kreuzt Vergangenheit den Weg des Wanderers. Durch Mörderreviere führen seine Verse ebenso wie über Lichtungen, zu Tauchgängen im Mittelmeer wie auf gesamtdeutsche Sandpfade und betonierte Magistralen, zwischen Kiesgruben und Flakbunkern, entlang der Ost-West-Achse des unruhigen, wieder mit Kriegen konfrontierten Kontinents. Dass bei solchen Eindrücken der europäische Gedanke ins Spiel kommt – als Realität und Utopie –, wird niemanden wundern, der Grünbein auf seinen Wegen gefolgt ist. "Für alle Fälle kann Dichtung auch das sein: ein Gerät zum Einfangen der Zukunft." (Suhrkamp)

Der gebürtige Dresdner Durs Grünbein gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker der Gegenwart. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Georg-Büchner-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis, und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

 

Moderation: Uwe Hübner

Gefördert durch:

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Das Bundesprogramm "Neustart"
Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien
Die Landeshauptstadt Dresden

Mi. 30.11. 2022
7 € / 5 €
Sasha Marianna Salzmann – "Im Menschen muss alles herrlich sein"

Lesung und Gespräch in der Reihe "Freiheit - große, kleine oder keine?"

In Kooperation mit dem Deutschen Hygiene Museum Dresden
(Reihe "Umbruch: Nachwendezeit in Stadt und Land")

Findet im DHMD statt.

Foto: Heike Steinweg

19:00

Wie soll man "herrlich" sein in einem Land, in dem Korruption und Unterdrückung herrschen, in dem nur überlebt, wer sich einem restriktiven Regime unterwirft? Wie soll man diese Erfahrung überwinden, wenn darüber nicht gesprochen wird, auch nicht nach der Emigration und nicht einmal mit der eigenen Tochter? "Was sehen sie, wenn sie mit ihren Sowjetaugen durch die Gardinen in den Hof einer ostdeutschen Stadt schauen?", fragt sich Nina, wenn sie an ihre Mutter Tatjana und deren Freundin Lena denkt, die Mitte der neunziger Jahre die Ukraine verließen, in Jena strandeten und dort noch einmal von vorne begannen. Lenas Tochter Edi hat längst aufgehört zu fragen, sie will mit ihrer Herkunft nichts zu tun haben. Bis Lenas fünfzigster Geburtstag die vier Frauen wieder zusammenbringt und sie erkennen müssen, dass sie alle eine Geschichte teilen.

(Suhrkamp)

In ihrem* Roman wirft Salzmann die Frage nach individueller Freiheit in vielfältiger Weise auf. Wie das herrschende politische System die eigene Freiheit einschränkt und lenkt, erlebt insbesondere Lena in der Sowjetunion. Doch auch die Frage nach dem Einfluss der Eltern und Großeltern auf das eigene Leben thematisiert der Mehrgenerationenroman.

Tickets gibt es HIER.

 

Moderation: Miryam Schellbach

Tickets: 7 € / 5 € ermäßigt

Gefördert durch:

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Das Bundesprogramm "Neustart"
Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien
Die Landeshauptstadt Dresden

Mi. 06.07. 2022
7 € / 5 €
Ijoma Mangold – "Der innere Stammtisch"

Foto: Christian Werner

Gespräch mit Dr. Christoph Meißelbach (Politikwissenschaftler)

19:00

Gemeinhin gilt der Stammtisch als Symbol spießbürgerlicher Engstirnigkeit und Polemik. An ihm werden geradeheraus aktuelle Themen verhandelt, ohne auf eine gewählte Ausdrucksweise oder Gefühle anderer Rücksicht zu nehmen. Der Stammtisch ist jedoch auch ein geschützter Raum mit überschaubarem Adressatenkreis, an dem Meinungen ohne Furcht vor Vorverurteilung geäußert und diskutiert werden können.  

Für Ijoma Mangold ist der innere Stammtisch der Aushandlungsprozess, bei dem aus verschiedenen Argumenten, Fakten aber auch sinnlichen Eindrücken und Affekten eine individuelle Meinung entsteht. Durch eine in Tagebuchform verfasste Selbstreflexion geht Mangold diesen Prozessen auf den Grund. Er beschreibt, was er auf der Weihnachtsfeier der „Zeit“ und am Rande der Berlinale erlebt, dass sein Sportlehrer sich nie angeschnallt hat und warum Greta ihn triggert. Im Januar erklärt Helena, eine russlanddeutsche Bekannte, ihm ihren Feminismus, im Februar denkt er über das Wahlergebnis in Hamburg nach, im März stellt er fest, dass der „Decamerone“ bei Dussmann ausverkauft ist. Wegen Corona. Verwundert blickt er auf die, denen einerseits „Tugendterror“ oder „Multikulti-Romantik“, andererseits „Agism“ oder „Faschismus“ leicht von den Lippen gehen. Deutlich wird bei seinen Begegnungen, dass die Basis, auf der wir jeden Tag Urteile fällen und Entscheidungen treffen, schmal und schwankend ist. Und doch ist sie alles, was wir haben.

Ausgehend von seinem politischen Tagebuch "Der innere Stammtisch" diskutiert der Literaturkritiker Ijoma Mangold mit dem Politikwissenschaftler Dr. Christoph Meißelbach über die Freiheit in/von gesellschaftlichen Diskursen.

Dr. Christoph Meißelbach ist neben seiner wissenschaftlichen Arbeit in verschiedenen Projekten der politischen Bildung tätig. Er beschäftigt sich vorwiegend mit demokratischen Werten, politischem Streit und digitaler Demokratie.

Moderation: Michael Ernst

Mi. 01.06. 2022
7 € / 5 €

Als schreibende Reporterin war die Erzählerin auf allen Kontinenten der Erde unterwegs. In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg. Nun verabschiedet sie sich von einer Welt, die einmal die eigene war.

Aus dem Radio erfährt die Erzählerin vom gewaltsamen Tod des berühmten britischen Kriegsfotografen Tim H. in Libyen. Nicht lange zuvor war sie mit ihm als schreibende Reporterin unterwegs im Bürgerkriegsland Liberia. Anlass für sie, von ihm zu erzählen, von seinem Leben und von seinem Sterben, aber auch von ihren eigenen Erfahrungen in allen möglichen Winkeln der Erde, in Afghanistan und im Dschungel von Papua-Neuguinea, im Inneren der Mongolei und im Kaukasus, von den Höhen des Himalaya und der Reise nach Liberia.

In ihre Erzählung fließen die Bilder und Beschreibungen der Welt, die die internationalen Berichterstatter den Medienhäusern in Hamburg und in Manhattan liefern – diejenigen, die unsere globale Gegenwart deuten. Ihre Berichterstattung in Bildern und Texten unterliegt ästhetischen und ökonomischen Zwängen, die vom Zustand der Welt und der Krise der westlichen Zivilisation künden.

Gabriele Riedle hat selbst über 20 Jahre Erfahrung als Reporterin. "In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg." ist jedoch originäre Prosa, eine kunstvolle Literatur, die zu ihrer eigenen Stimme kommt, weit weg vom Reportage-Realismus, voller eindrucksvoller Bilder. Das Nachdenken ihrer Ich-Erzählerin und ihr persönlichstes Erleben kombiniert sie in einem mäandernden Bewusstseinsstrom in weit ausschwingenden musikalischen Sätzen. (Die andere Bibliothek)

Do. 13.10. 2022
Uticha Marmon – "Das stumme Haus"

Lesung in der Reihe "Freiheit – große, kleine oder keine?"

Foto: Gabi Waldmann

Lesung für Schüler:innen der 89. Grundschule, Dresden

 

10:00

Im “Kaninchenbau”, wie das Haus, in dem die Zwillinge Nikosch und Nini wohnen, genannt wird, ist immer was los. Man kümmert sich umeinander, die Kinder wachsen gemeinsam, man kennt sich.
Aber dann ist von einem Tag auf den anderen alles anders, niemand darf raus, keine Schule, keine Freunde. Das ist nicht nur langweilig, das ist auch anstrengend. Schnell werden die Kinderzimmer viel zu eng, die schulfreie Zeit stressig. Und was soll man denn die ganze Zeit machen? Nikosch sieht wie seine Schwester aus dem Fenster, und da fällt ihm alles Mögliche auf. Zum Beispiel, dass sich in dem nagelneuen, superschicken Haus gegenüber etwas tut. Nachts blinkt dort immer wieder eine Taschenlampe. Bald erkennen Nikosch und Nini: Das ist ein Morsecode. SOS! Da ist jemand in Gefahr!

Die große Einsamkeit und eine Taschenlampe als Rettung in der Not. Ein spannender Krimi und eine Geschichte über Zusammenhalt, Freundschaft und die Wichtigkeit des Hinsehens.

(S. Fischer Verlag)

Kinder- und Jugendbuch

Di. 28.06. 2022
7 € / 5 €
Reto Hänny – "Sturz"

Lesung und Gespräch in der Themenreihe:

"Freiheit – große, kleine oder keine?"

Gewinner des Schweizer Grand Prix Literatur 2022 für sein Gesamtwerk

Foto: Ayse Yavas

19:00

Aus der Höhe des Bündner Bergdorfs kommt der Protagonist in die Stadt im Tal, wo eine fremde Sprache gesprochen wird und Sitten herrschen, denen er hilflos begegnet. Es beginnt für ihn eine Zeit des Leidens. Als er endlich auf die Füße kommt, gelingen ihm berauschende Entdeckungen im Reich der Literatur und der Musik. Eines Tages, viele Jahre später, im Gepäck das Material für ein Filmprojekt, findet er sich im Flughafen der Großstadt ein, um über die Alpen zu fliegen, in den Süden, ins Offene, in die Wärme – oder ist es Flucht? Viel Zeit vergeht an jenem Tag, bis die Kontrollen durchlaufen sind und das Flugzeug zum Einsteigen bereitsteht.
Sturz ist ein musikalisch angelegtes und erfinderisch instrumentiertes, vielteiliges Epos mit einer Fülle unterschiedlicher Stoffe, in vielerlei Rhythmen, Tempi und Tonarten: Kindheit und Jugend eines Alpenbewohners in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie noch niemand sie zum Fliegen gebracht hat.

Reto Hänny, geboren 1947 in Tschappina, einem kleinen Bergdorf in Graubünden. Nach ausgedehnten Reisen und verschiedenen Tätigkeiten u.a. als Ziegenhirte, Schullehrer und Bühnenarbeiter am Theater in Chur, debütierte er 1979 mit "Ruch. Ein Bericht" und erregte mit "Zürich, Anfang September", einem Bericht über die Zürcher Jugendunruhen 1980, erstmals großes Aufsehen. Neben seiner intensiven Auseinandersetzung mit Neuer Musik und Bildender Kunst entsteht ein überschaubares, aber umso dichteres literarisches Werk. Hänny, der zahlreiche literarische Auszeichnungen erhielt, u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis und zuletzt den Zolliker Kunstpreis, lebt als freier Schriftsteller in Zollikon/Zürich und Graubünden. Im Februar 2022 wurde Reto Hänny mit dem Schweizer Grand Prix Literatur für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

Moderation: Uwe Hübner