Programm

June 2021

Di. 07.09. 2021
7 € / 5 €
Michael Wüstefeld – "NachSchlag"

Lesung und Gespräch in der Reihe "Premieren"

Foto: Frank Höhler

19:00

Von »Hold back the edges of your gowns« (William Carlos Williams) zu »let your knickers down« (John Winston Lennon) ist es nur ein kleiner Schritt. Von Beat zu Beat. Von Beatniks zu Beatles. Für Michael Wüstefeld ist es ein ziemlich weiter Weg gewesen. Der führte ihn zwar nicht in die Hölle, aber mit Rolf Dieter Brinkmann »Ostwärts«, dann von Dresden nach San Francisco, erst mit dem Finger auf der Landkarte, schließlich mit Delta Air Lines über den Teich. Wüstefeld hat das Postulat von Robert Creeleys »The Conspiracy: You send me your poems, I’ll send you mine« wörtlich genommen. Weil höchstens an eine spirituelle Begegnung zu denken war, hat er den Dichtern, lebenden wie toten, seine Gedichte gesendet. Dieser »NachSchlag« betet nicht nach, ist weder AbKlatsch noch NachAhmung. »wer die schönsten deutschen ›Post-Beat-Gedichte‹ geschrieben hat« (Uwe Herkt), der kann damals wie heute sanft und zornig sein.

Di. 14.09. 2021
Feridun Zaimoglu - "Die Geschichte der Frau"

Lesung und Gespräch

Foto: dpa

19:00

Feridun Zaimoglu lässt zehn außerordentliche Frauen zur Sprache kommen vom Zeitalter der Heroen bis in die Gegenwart. Es sind Menschen, deren Sicht auf die Dinge nicht überliefert wurde. Weil Männer geboten, die Wahrheit tilgten und die Lüge zur Sage verdichteten. Diesen Frauen war es vorbehalten, schweigend unsichtbar zu bleiben oder dekorativ im Bild zu stehen. Doch nun sprechen sie – klar und laut, wie eine abgefeuerte Kugel.

Feridun Zaimoglu zeigt sich erneut als ein Meister der Vielstimmigkeit. Was ihm dabei gelingt, ist ein regelrechtes Wunder. Die Figuren dieses Buches klingen nicht nur lebendig – sie werden es: von Antigone über Judith bis Valerie Solanas. Kraftvoll, poetisch und subversiv. Kein Friedensangebot. Keine Schmeichelei. Tabula Rasa!

 

„Wortschatz und Vorstellungskraft des Wuchtbuches sind immens.“

Caroline Fetscher, Der Tagesspiegel, 20.3.2019

 

Moderation: Michael G. Fritz

Foto Andreas Lehmann
Fr. 17.09. 2021
Andreas Lehmann - "Schwarz auf Weiß"

Lesung und Diskussion im Rahmen des Leseclubfestivals

Foto: Christopher Utpadel

 

19:30

Das Leseclubfestival ermöglicht deutschlandweit in 11 Städten intime Begegnungen mit Texten und ihren Autor*innen. Interessierte können Tickets für eine der Veranstaltungen erwerben und bekommen das entsprechende Buch im Vorfeld der Veranstaltung zugesandt. Die Lektüre erfolgt idealerweise bis zum Veranstaltungstermin, bei dem dann mit den entsprechenden Autor*innen im kleinen Kreis die Werke besprochen und Fragen beantwortet werden können. 

Weitere Informationen und Tickets unter: https://leseclubfestival.com/

 

Über das Buch:

Martin Oppenländer hat jahrelang in einem Call Center gearbeitet. Jetzt hat er sich selbständig gemacht, um den Abhängigkeiten und Sinnlosigkeiten seiner Arbeit zu entkommen. Plötzlich aber steht die Welt still, es kommen keinerlei Aufträge, und der Schritt in die Freiheit erweist sich als Schritt ins Abseits. In die Stille hinein ereilt ihn ein Anruf. Ein Flirt aus der Vergangenheit, eine Frau, die Liebeshoffnungen auf ihn setzte und ihn nun mit ihrer Enttäuschung konfrontiert. Er kann sich nicht an sie erinnern – und doch werden ihm ihre Anrufe immer wichtiger. Sie führen Gespräche: über jetzt, über früher, über die Versuche, sich eine Zukunft vorzustellen. Schwarz auf Weiß erzählt knapp und zugespitzt, mit feinem Sinn für Komik, von den Krisen unserer Zeit, von Stillstand und von Hoffnung auf Veränderung. Und davon wie wir aus dem Erzählen Kraft für unser Leben ziehen.

Lesung und Diskussion

Moderation:
Maren Marzilger

Mi. 13.10. 2021
7 € / 5 €
Regina Scheer – "Gott wohnt im Wedding"

Lesung und Gespräch in der P.E.N.-Lesereihe "Lesungen in allen Himmelsrichtungen"

Foto:
Julia Pijagin

19:00

Alle sind sie untereinander und schicksalhaft mit dem ehemals roten Wedding verbunden, diesem ärmlichen Stadtteil in Berlin. Mit dem heruntergekommenen Haus dort in der Utrechter Straße. Leo, der nach 70 Jahren aus Israel nach Deutschland zurückkehrt, obwohl er das eigentlich nie wollte. Seine Enkelin Nira, die Amir liebt, der in Berlin einen Falafel-Imbiss eröffnet hat. Laila, die gar nicht weiß, dass ihre Sinti-Familie hier einst gewohnt hat. Und schließlich die alte Gertrud, die Leo und seinen Freund Manfred 1944 in ihrem Versteck auf dem Dachboden entdeckt, aber nicht verraten hat. Regina Scheer, die großartige Erzählerin deutscher Geschichte, hat die Leben ihrer Protagonisten zu einem literarischen Epos verwoben voller Wahrhaftigkeit und menschlicher Wärme. (Penguin)

Regina Scheer – "Gott wohnt im Wedding"

Moderation:
Michael G. Fritz

 

Di. 26.10. 2021
7 € / 5 €
Marjana Gaponenko - "Der Dorfgescheite"

Lesung und Gespräch in der Reihe "Sprachen machen Leute"

Foto: Ekko von Schwichow

19:00

Der einäugige Ernest Herz hat, erschöpft von seinem exzessiven Liebesleben, den Posten des Bibliotheksleiters im Stift W. angenommen und besinnt sich auf seine nicht minder große, andere Leidenschaft – das alte Buch. Die Wohnung, die er im Kloster bezieht, hatte seinem Vorgänger, Pater Mrozek, gehört, der auf eine kuriose Art Selbstmord begangen hat.
Ernest Herz muss feststellen, dass er mit seiner Vision einer zeitgemäßen Bibliothek in der konservativ-klerikalen Gesellschaft des Klosters auf Widerstände stößt, dass mit seinem mitgebrachten Telefunkenradio etwas nicht zu stimmen scheint, weil es nur noch «Radio Gabriel» empfängt, und dass der Selbstmord seines Vorgängers zahlreiche Fragen aufwirft. Eines Tages findet der Bibliothekar in einem Versteck ein Exemplar des mittelalterlichen Beststellers «Dialogus miraculorum». Dem Buch fehlt der Einband, die Neugierde des Bibliothekars ist geweckt, er versucht nun nachdrücklich herauszufinden, was seinen Vorgänger dazu getrieben haben könnte, sich umzubringen. Weiß der junge, verstörend schöne Kellner der Gastwirtschaft «Zum Lamm» unten im Dorf vielleicht mehr?


(C.H. Beck)

Moderation: Michael G. Fritz