Programm

July 2021

Logo 13. Dresdner Lyrikpreis
Fr. 27.08. 2021
7 € / 5 €
Fährgeld für Charon*

Lesung tschechischer und deutschsprachiger Autor:innen im Kontext des 13. Dresdner Lyrikpreises

(Nachholtermin von 2020)

*Titel eines Gedichtbands von Jan Skácel (1967)

18:30

Mehr als 3500 mal wurden die Videobeiträge der Finalist:innen des 13. Dresdner Lyrikpreises 2020 geklickt. Darin trugen die zehn Dichter ihre Einsendungen zum Preis der Sächsischen Landeshauptstadt Dresden vor, da eine analoge Veranstaltung entfallen musste.

Fast ein Jahr später kommt es nun endlich zum Aufeinandertreffen und dem zwischenmenschlichen wie poetischen Austausch der deutschsprachigen und tschechischen Autoren. Mit dabei sind der Träger des 13. Dresdner Lyrikpreises, Christoph Wenzel, sowie Ondřej Krystyník, der im digitalen Rennen um den Publikumspreis die Nase vorn hatte. 

Am Folgetag gastiert das „Lyrikpreis-Team“ bei dem Literaturfestival „Literární Zarafest“ in Děčín, das von Radek Fridrich, ebenfalls ein Finalist des Preises, organisiert wird. Auch hier wird es eine gemeinsame Lesung geben, die den interkulturellen Charakter des Dresdner Preis-Projektes unterstreicht.

Der Dresdner Lyrikpreis wird zur Förderung des gegenwärtigen poetischen Schaffens ausgelobt und alle zwei Jahre von der Landeshauptstadt Dresden vergeben. Er ist mit 5000 € dotiert.   

Mit: Radek Fridrich, Pavel Kolmačka, Ondřej Krystyník (Publikumspreis 2020), Atrin Matuštík, Jan Nemček (Publikumspreis 2018) Simona Racková (Jurypreis 2016), Jan Škrob (Jurypreis 2018) Christoph Wenzel (Jurypreis 2020) 

Moderation: Jonáš Hájek

Di. 07.09. 2021
7 € / 5 €
Michael Wüstefeld – "NachSchlag"

Lesung und Gespräch in der Reihe "Premieren"

Foto: Frank Höhler

19:00

Von »Hold back the edges of your gowns« (William Carlos Williams) zu »let your knickers down« (John Winston Lennon) ist es nur ein kleiner Schritt. Von Beat zu Beat. Von Beatniks zu Beatles. Für Michael Wüstefeld ist es ein ziemlich weiter Weg gewesen. Der führte ihn zwar nicht in die Hölle, aber mit Rolf Dieter Brinkmann »Ostwärts«, dann von Dresden nach San Francisco, erst mit dem Finger auf der Landkarte, schließlich mit Delta Air Lines über den Teich. Wüstefeld hat das Postulat von Robert Creeleys »The Conspiracy: You send me your poems, I’ll send you mine« wörtlich genommen. Weil höchstens an eine spirituelle Begegnung zu denken war, hat er den Dichtern, lebenden wie toten, seine Gedichte gesendet. Dieser »NachSchlag« betet nicht nach, ist weder AbKlatsch noch NachAhmung. »wer die schönsten deutschen ›Post-Beat-Gedichte‹ geschrieben hat« (Uwe Herkt), der kann damals wie heute sanft und zornig sein.

Di. 14.09. 2021
Feridun Zaimoglu - "Die Geschichte der Frau"

Lesung und Gespräch

Foto: dpa

19:00

Feridun Zaimoglu lässt zehn außerordentliche Frauen zur Sprache kommen vom Zeitalter der Heroen bis in die Gegenwart. Es sind Menschen, deren Sicht auf die Dinge nicht überliefert wurde. Weil Männer geboten, die Wahrheit tilgten und die Lüge zur Sage verdichteten. Diesen Frauen war es vorbehalten, schweigend unsichtbar zu bleiben oder dekorativ im Bild zu stehen. Doch nun sprechen sie – klar und laut, wie eine abgefeuerte Kugel.

Feridun Zaimoglu zeigt sich erneut als ein Meister der Vielstimmigkeit. Was ihm dabei gelingt, ist ein regelrechtes Wunder. Die Figuren dieses Buches klingen nicht nur lebendig – sie werden es: von Antigone über Judith bis Valerie Solanas. Kraftvoll, poetisch und subversiv. Kein Friedensangebot. Keine Schmeichelei. Tabula Rasa!

 

„Wortschatz und Vorstellungskraft des Wuchtbuches sind immens.“

Caroline Fetscher, Der Tagesspiegel, 20.3.2019

 

Moderation: Michael G. Fritz

Foto Andreas Lehmann
Fr. 17.09. 2021
Andreas Lehmann - "Schwarz auf Weiß"

Lesung und Diskussion im Rahmen des Leseclubfestivals

Foto: Christopher Utpadel

 

19:30

Das Leseclubfestival ermöglicht deutschlandweit in 11 Städten intime Begegnungen mit Texten und ihren Autor*innen. Interessierte können Tickets für eine der Veranstaltungen erwerben und bekommen das entsprechende Buch im Vorfeld der Veranstaltung zugesandt. Die Lektüre erfolgt idealerweise bis zum Veranstaltungstermin, bei dem dann mit den entsprechenden Autor*innen im kleinen Kreis die Werke besprochen und Fragen beantwortet werden können. 

Weitere Informationen und Tickets unter: https://leseclubfestival.com/

 

Über das Buch:

Martin Oppenländer hat jahrelang in einem Call Center gearbeitet. Jetzt hat er sich selbständig gemacht, um den Abhängigkeiten und Sinnlosigkeiten seiner Arbeit zu entkommen. Plötzlich aber steht die Welt still, es kommen keinerlei Aufträge, und der Schritt in die Freiheit erweist sich als Schritt ins Abseits. In die Stille hinein ereilt ihn ein Anruf. Ein Flirt aus der Vergangenheit, eine Frau, die Liebeshoffnungen auf ihn setzte und ihn nun mit ihrer Enttäuschung konfrontiert. Er kann sich nicht an sie erinnern – und doch werden ihm ihre Anrufe immer wichtiger. Sie führen Gespräche: über jetzt, über früher, über die Versuche, sich eine Zukunft vorzustellen. Schwarz auf Weiß erzählt knapp und zugespitzt, mit feinem Sinn für Komik, von den Krisen unserer Zeit, von Stillstand und von Hoffnung auf Veränderung. Und davon wie wir aus dem Erzählen Kraft für unser Leben ziehen.

Lesung und Diskussion

Moderation:
Maren Marzilger

So. 19.09. 2021
7 € / 5 €
Michael Göring – "Dresden"

Matinee in der Reihe "Premieren"

Foto: Frederika Hoffmann

11:00

In seinem gleichnamigen Roman reist Michael Göring in das Dresden der 1970er und 1980er Jahre. Fabian aus Paderborn fährt 1975 zum ersten Mal zu Familie Gersberger, Freunde seiner Eltern, in die DDR. Anfangs treibt ihn die Neugier, ob es dort wirklich so schlimm ist, wie sein Vater behauptet. Schnell freundet er sich jedoch mit Gleichaltrigen an und verliebt sich Hals über Kopf in Anne, die Tochter der Gersbergers. Fortan kommt Fabian fast jedes Jahr nach Dresden und erlebt mit, wie sich der Alltag der Gersbergers verändert – Sohn Kai versucht durch die Elbe schwimmend den Westen zu erreichen, während Vater Ekki nach wie vor von der Reformierbarkeit der DDR überzeugt ist. Am 1. Oktober 1989 sitzt Kai im Zug von Prag nach Hof und Fabian trifft sich mit Anne in Ost-Berlin.

Michael Göring schreibt eine Liebeserklärung an eine Dresdener Familie und erzählt von den entscheidenden Jahren von 1975 bis 1989. Eine bewegende Familiengeschichte, in der auch beim Westbesucher einiges in Unordnung gerät.