Programm

May 2022

Mi. 01.06. 2022
7 € / 5 €

Als schreibende Reporterin war die Erzählerin auf allen Kontinenten der Erde unterwegs. In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg. Nun verabschiedet sie sich von einer Welt, die einmal die eigene war.

Aus dem Radio erfährt die Erzählerin vom gewaltsamen Tod des berühmten britischen Kriegsfotografen Tim H. in Libyen. Nicht lange zuvor war sie mit ihm als schreibende Reporterin unterwegs im Bürgerkriegsland Liberia. Anlass für sie, von ihm zu erzählen, von seinem Leben und von seinem Sterben, aber auch von ihren eigenen Erfahrungen in allen möglichen Winkeln der Erde, in Afghanistan und im Dschungel von Papua-Neuguinea, im Inneren der Mongolei und im Kaukasus, von den Höhen des Himalaya und der Reise nach Liberia.

In ihre Erzählung fließen die Bilder und Beschreibungen der Welt, die die internationalen Berichterstatter den Medienhäusern in Hamburg und in Manhattan liefern – diejenigen, die unsere globale Gegenwart deuten. Ihre Berichterstattung in Bildern und Texten unterliegt ästhetischen und ökonomischen Zwängen, die vom Zustand der Welt und der Krise der westlichen Zivilisation künden.

Gabriele Riedle hat selbst über 20 Jahre Erfahrung als Reporterin. "In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg." ist jedoch originäre Prosa, eine kunstvolle Literatur, die zu ihrer eigenen Stimme kommt, weit weg vom Reportage-Realismus, voller eindrucksvoller Bilder. Das Nachdenken ihrer Ich-Erzählerin und ihr persönlichstes Erleben kombiniert sie in einem mäandernden Bewusstseinsstrom in weit ausschwingenden musikalischen Sätzen. (Die andere Bibliothek)

Logo Dresdner Musikfestspiele
Di. 07.06. 2022
Künstlergespräch – Donna Leon

Im Rahmen des Konzerts "Tiere und Töne"
Musikfestspiele Dresden

Moderation auf Deutsch und Englisch:
Andrea O'Brien
Erich Kästner Haus für Literatur

Salon im Schauspielhaus

Anmeldung über besucherservice@musikfestspiele.com

19:00

Die US-amerikanische Krimiautorin Donna Leon, weltweit bekannt durch die Reihe um Commissario Brunetti, hat neben dem Schreiben noch eine weitere Passion: die Musik Georg Friedrich Händels. Beim Hören seiner Opern ist sie dabei auf allerlei Tiere gestoßen, die sie anhand ihrer Lieblingsarien in zwölf espritvollen Essays in ihrem Buch »Tiere und Töne. Auf Spurensuche in Händels Opern« vorstellt. Als eloquente Kennerin der mittelalterlichen Bestiarien und antiken Texte spürt sie den mannigfaltigen Tiersymboliken nach, die Händels Klangfantasie beflügelt haben.

Weitere Informationen

Mi. 08.06. 2022
Uticha Marmon – "Das stumme Haus"

Lesung in der Reihe "Freiheit – große, kleine oder keine?"

Foto: Gabi Waldmann

VERLEGT IN DEN HERBST!

Im “Kaninchenbau”, wie das Haus, in dem die Zwillinge Nikosch und Nini wohnen, genannt wird, ist immer was los. Man kümmert sich umeinander, die Kinder wachsen gemeinsam, man kennt sich.
Aber dann ist von einem Tag auf den anderen alles anders, niemand darf raus, keine Schule, keine Freunde. Das ist nicht nur langweilig, das ist auch anstrengend. Schnell werden die Kinderzimmer viel zu eng, die schulfreie Zeit stressig. Und was soll man denn die ganze Zeit machen? Nikosch sieht wie seine Schwester aus dem Fenster, und da fällt ihm alles Mögliche auf. Zum Beispiel, dass sich in dem nagelneuen, superschicken Haus gegenüber etwas tut. Nachts blinkt dort immer wieder eine Taschenlampe. Bald erkennen Nikosch und Nini: Das ist ein Morsecode. SOS! Da ist jemand in Gefahr!

Die große Einsamkeit und eine Taschenlampe als Rettung in der Not. Ein spannender Krimi und eine Geschichte über Zusammenhalt, Freundschaft und die Wichtigkeit des Hinsehens.

(S. Fischer Verlag)

Kinder- und Jugendbuch

Portrait Michael Göring
So. 12.06. 2022
7 € / 5 €
Michael Göring – "Dresden"

Foto: Frederika Hoffmann

 

11:00

In seinem gleichnamigen Roman reist Michael Göring in das Dresden der 1970er und 1980er Jahre. Fabian aus Paderborn fährt 1975 zum ersten Mal zu Familie Gersberger, Freunde seiner Eltern, in die DDR. Anfangs treibt ihn die Neugier, ob es dort wirklich so schlimm ist, wie sein Vater behauptet. Schnell freundet er sich jedoch mit Gleichaltrigen an und verliebt sich Hals über Kopf in Anne, die Tochter der Gersbergers. Fortan kommt Fabian fast jedes Jahr nach Dresden und erlebt mit, wie sich der Alltag der Gersbergers verändert – Sohn Kai versucht durch die Elbe schwimmend den Westen zu erreichen, während Vater Ekki nach wie vor von der Reformierbarkeit der DDR überzeugt ist. Am 1. Oktober 1989 sitzt Kai im Zug von Prag nach Hof und Fabian trifft sich mit Anne in Ost-Berlin.

Michael Göring schreibt eine Liebeserklärung an eine Dresdener Familie und erzählt von den entscheidenden Jahren von 1975 bis 1989. Eine bewegende Familiengeschichte, in der auch beim Westbesucher einiges in Unordnung gerät.

Gartenveranstaltung

 

Di. 28.06. 2022
7 € / 5 €
Reto Hänny – "Sturz"

Lesung und Gespräch in der Themenreihe:

"Freiheit – große, kleine oder keine?"

Gewinner des Schweizer Grand Prix Literatur 2022 für sein Gesamtwerk

Foto: Ayse Yavas

19:00

Aus der Höhe des Bündner Bergdorfs kommt der Protagonist in die Stadt im Tal, wo eine fremde Sprache gesprochen wird und Sitten herrschen, denen er hilflos begegnet. Es beginnt für ihn eine Zeit des Leidens. Als er endlich auf die Füße kommt, gelingen ihm berauschende Entdeckungen im Reich der Literatur und der Musik. Eines Tages, viele Jahre später, im Gepäck das Material für ein Filmprojekt, findet er sich im Flughafen der Großstadt ein, um über die Alpen zu fliegen, in den Süden, ins Offene, in die Wärme – oder ist es Flucht? Viel Zeit vergeht an jenem Tag, bis die Kontrollen durchlaufen sind und das Flugzeug zum Einsteigen bereitsteht.
Sturz ist ein musikalisch angelegtes und erfinderisch instrumentiertes, vielteiliges Epos mit einer Fülle unterschiedlicher Stoffe, in vielerlei Rhythmen, Tempi und Tonarten: Kindheit und Jugend eines Alpenbewohners in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie noch niemand sie zum Fliegen gebracht hat.

Reto Hänny, geboren 1947 in Tschappina, einem kleinen Bergdorf in Graubünden. Nach ausgedehnten Reisen und verschiedenen Tätigkeiten u.a. als Ziegenhirte, Schullehrer und Bühnenarbeiter am Theater in Chur, debütierte er 1979 mit "Ruch. Ein Bericht" und erregte mit "Zürich, Anfang September", einem Bericht über die Zürcher Jugendunruhen 1980, erstmals großes Aufsehen. Neben seiner intensiven Auseinandersetzung mit Neuer Musik und Bildender Kunst entsteht ein überschaubares, aber umso dichteres literarisches Werk. Hänny, der zahlreiche literarische Auszeichnungen erhielt, u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis und zuletzt den Zolliker Kunstpreis, lebt als freier Schriftsteller in Zollikon/Zürich und Graubünden. Im Februar 2022 wurde Reto Hänny mit dem Schweizer Grand Prix Literatur für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

Moderation: Uwe Hübner